IIch sitze hier in meinem kleinen Häuschen im Nirgendwo, draußen muht irgendwo eine Kuh und Myriaden von Sternen erhellen den nächtlichen Himmel. Seit 18 Tagen arbeite ich nun schon auf einer Farm in der Nähe von Barraba – bis zum vorigen Samstag mehr als zwei Wochen ohne Pause. Deswegen habe ich bislang auch leider keine Zeit gefunden, meinen Blog zu pflegen. Aber das hat nun ein Ende. Doch bevor ich euch vom Leben als Cowboy erzähle, werde ich zunächst ein paar Wochen zurück gehen und berichten, wie es mich hierher verschlagen hat.

Sonne, Strand und Surfer – so in etwa könnte man Byron Bay zusammenfassen. Ich hatte mich nach wochenlanger erfolgloser Jobsuche dazu entschlossen aus Brisbane zu verschwinden. Mir fiel einfach die Decke auf den Kopf. Deshalb bin ich gen Süden gefahren, wo das wunderbare Strandidyll auf mich wartete. Der östlichste Punkt Australiens ist geschmückt mit einem pittoresken weißen Leuchtturm, welcher auf der Spitze des Kaps über Sandstränden thront. Der Ort selbst klein, hübsch und überlaufen von Backpackern, die schon

nachdem sie ankommen von mehren Busshuttles erwartet werden. Diese versuchen sie natürlich möglichst in die hauseigene Unterkunft zu bekommen. Wie ich aus einem Gespräch mit einem der Fahrer herausfinden konnte, sind auch sie Rucksacktouristen. Dabei gilt die Regel, für einen Tag Arbeit gibt es zwei Tage kostenlose Unterkunft. Mich hat es in die Byron Bay Lodge verschlagen. Wie in den meisten Hostels, ist auch diese vollkommen auf den Badeurlaub eingestellt. Es gibt freie Fahrrad- und Surfbrettverleihe und natürlich werden einem Kurse für jeden erdenklichen Wassersport angeboten.
Davon habe ich selbst gebrauch gemacht und mich einen Tag als Surfer versucht. Der Bus holte unsere Gruppe gegen Mittag ab und brachte uns an einen kleinen abgelegenen Strand, wo die Wellen nicht all zu hoch waren. Netterweise wurden unsere bescheidenen Anfänge von einem ordentlichen, langanhaltenden Regenschauer begleitet. Aber davon lies ich mich nicht erschüttern und schon die erste Welle schaffte ich mehr oder weniger aufrecht zu stehen.

Dies jedoch nur mit der freundlichen Unterstützung des Surflehrers, der mich zunächst noch anschob. Aber nach einer Weile schaffte ich es auch alleine die Wellen zu erpaddeln – was mich sichtlich mit Stolz erfüllte. Wenn man sich das erste Mal in die Dünung stürzt wird einem schnell klar, warum Surfer so wohlgebaut aussehen. Es ist nämlich verdammt anstrengend und nach zwei Stunden im Wasser fühlt man jeden einzelnen Muskel. Trotzdem ist es ein Heidenspass den ich definitiv wieder probieren werde.
Nach einem Tag am Strand lässt man es sich natürlich nicht nehmen, auch den Sonnenuntergang zu bewundern. So geht es nicht nur mir. Ringsum saßen die Leute in kleinen Gruppen, manch einer spielte Gitarre und alle frönten dem Naturschauspiel. Die erfahrenen Surfer jedoch nutzen die Gunst der Stunde, um bei einlaufender Flut die immer größer werdenden Wellen nahe der Felsen abzureiten. Ein faszinierendes Schauspiel, wenn sie dort in kleinen Gruppen im Wasser treiben und auf den richtigen Moment warten. Natürlich lies ich mir dieses Motiv nicht entgehen. Vertieft in mein Tun, bemerkte ich nicht, dass ich selbst von der Flut eingeschlossen wurde. Mein Fotospot befand sich auf einem vorgelagerten Felsen, der bei steigendem Meeresspiegel plötzlich vom Strand durch einen kleinen Kanal getrennt war. So blieb nichts anderes übrig, als meine sieben Sache hoch über dem Kopf zu halten und durch das hüfttiefe Wasser zu waten. Im Nachhinein etwas leichtsinnig, war es doch schon dunkel und die Strömung recht stark. Glücklicherweise ist nichts dramatisches passiert, wie sonst könnte ich diesen Text verfassen.

Am letzten Tag meines Aufenthalts kam dann das Unerwartete. Mein Telefon klingelte und am anderen Ende meldete sich ein Adrian mit ziemlichem australischen Slang. Er erklärte mir, er melde sich bezüglich einer meiner Bewerbungen und suche eine helfende Hand auf seiner Rinderfarm. Obwohl ich etwas bedenken hatte, da ich möglicherweise Reiten und Motorrad fahren sollte, habe ich trotzdem sofort zugesagt. Nicht zuletzt, weil mir mangels Alternativen keine Wahl blieb.
Am nächsten Morgen nahm ich den ersten Bus zurück nach Brisbane, schnappte meine restlichen Sachen, kaufte mir noch ein paar Arbeitsschuhe und am Abend saß ich im Greyhound Richtung Tamworth. Von dort aus sollte es weiter nach Barraba gehen. Um zwei Uhr morgens kam ich an. Entgegen meiner Erwartungen, gab es keinen Bahnhof oder Warteraum, nur einen Hungry Jacks (Australiens Variante von Burger King). Letzterer allerdings machte erst um 6 Uhr auf. Also suchte ich mir die nächste Parkbank, kuschelte mich in meinen Schlafsack und wartete. Übrigens wer denkt Australien sei immer warm, der irrt sich. Die Temperatur war nahe null. Ich war heilfroh, mir vor Beginn der Reise noch einen neuen, dicken Schlafsack gekauft zu haben.

Als nach kalten vier Stunden im Park und weiteren drei Stunden im Hungry Jacks endlich die Touristeninfo öffnete, erfuhr ich dass der nächste Bus nach Barraba erst um 16.30 fuhr und zwar vom eigentlichen Bahnhof. Also stapfte ich mit Sack und Pack quer durch die Stadt. Am Ziel angekommen stellte ich fest, dass es hier einen netten, 24h geöffneten und beheizten Warteraum gab – dedüm 🙂 Nun blieb mir nichts anderes übrig, als zu warten und zu warten und zu… Glücklicherweise konnte ich die Zeit überbrücken und mich mit einer freundlichen Australierin unterhalten. Diese stimmte mich schonmal aufs Farmlegen ein, was mich mehr beunruhigte als ermunterte.
Die letzte Busetappe verlief dann ohne Zwischenfälle und ich kam nach ungefähr 31h Reisezeit in Barraba an. Adrian holte mich von der Haltestelle ab und es ging noch mal zwanzig Minuten im Dunkeln mit dem 4WD über Dirt Roads (Schotterpisten oder schlimmer) zur Farm und zu meinem Haus. Noch ein paar nette Worte, die Info, dass ich nächsten Morgen um sieben zur Arbeit abgeholt würde und dann saß ich da. Felix allein, in einem Haus, dass seine besten Tage hinter sich hatte, irgendwo im nirgendwo und keinen Plan was der nächste Tag bringen würde.

Ich war gespannt. Ich hoffe ihr auch, denn nächstes Mal erfahrt ihr wie es weiter geht.

Liebe Grüße

Felix