Auf einer Farm, musste ich lernen, gibt es immer etwas zu tun. Und so bleibt es nicht aus, dass man nach einer bereits anstrengenden Sechs-Tage-Woche auch noch gebeten wird, am Sonntag auszuhelfen. Aber da sich die Arbeit nicht von allein erledigt, sagt man natürlich auch da nicht nein. Vor allem dann nicht, wenn zuvor der Farmer ne Runde Bier spendiert hat 🙂 Und so sind 60-70h pro Woche keine Seltenheit.Was aber macht man mitten im Nirgendwo, wenn dann doch der unerwartete Fall Eintritt, dass man Zeit zur freien Verfügung hat?
Zu aller erst: Essen! Tatsächlich dreht sich nach Stunden harter Arbeit der Hauptgedanke darum, was auf den Teller kommt. Und da wir Rindfleisch in allen Variationen hatten, gab es vom Rinderbraten, über BBQ mit Rinderwürsten bzw. -steak und Spaghetti Bolognese mit Rinderhack alles was das Herz des Fleischessers begehrt.

Ich weiß nicht mehr genau, wer auf die Idee kam. Um das Essen jedoch geselliger zu gestalten, wurde jeweils zu einem der drei Häuser der Backpacker/Angestellten eingeladen. Der Gastgeber stellte Essen und die Gäste brachten das Bier mit. Dazu wurde landesüblich oft Rugby geschaut und ein prasselndes Feuer im Kamin gemacht. Ich für meinen Teil habe im Übrigen habe selbst gemachte Pizza und Pancakes beigesteuert. Letztere sind, neben Haferflocken mit Bananen, zu meiner Lieblingsfrühstücksmalzeit geworden. Und noch etwas habe ich mir angeeignet. Da ich nicht eingesehen habe 5 Dollar für ein bescheidenes Toastbroat zu bezahlen, habe ich begonnen eignes Brot zu backen. Kann doch nicht so schwer sein, einen Sauerteig zu machen dachte ich mir. Nun schwer ist es im Grunde nicht. Nur braucht es viel Geduld.

Bis man das erste mal backen kann vergehen vier Tage. In denen muss der Teig aus Wasser und Mehl angerührt, auf der Heizung stehen gelassen und von Zeit zu Zeit immer wieder gefüttert werden. Und obwohl ich einfach nur den Anweisungen aus dem Internet folgte, schaffte ich es tatsächlich genießbares Brot zu produzieren. Anfangs mangels Roggenmehl zwar nur Weißbrot, aber besser als alles was es im Supermarkt gab. Nur mein Backvorgang ist noch nicht perfekt, da das Brot immer aufreißt – keine Ahnung woran das liegt.
Neben dem Essen, möchte man natürlich mit dem verdienten Geld auch mal ein wenig schoppen gehen. Leider bietet die „Weltstadt“ Barraba mit ihren rund 1000 Einwohnern wenig Möglichkeiten. Darum beschloss unsere kleine Gruppe an einem Wochenende nach Tamworth zu fahren, der nächst größeren Stadt in rund 100 km Entfernung. Fühlte sich ein wenig an wie Klassenausflug. Um 12 Uhr angekommen, bekamen dann die lieben Kinder drei Stunden Zeit um nach Herzenslust einzukaufen. Ich für meine Teil trieb mich vor allem in Outdoorläden herum, wo ich mir jedoch nur eine Thermotasse gönnte. Und auch die anderen waren eher sparsam unterwegs. Was wir allerdings plünderten war der Aldi – endlich billiges Essen. Also bunkerten wir soviel wir tragen konnten. Sogar mein Roggenmehl bekam ich, auch wenn das hier unten so teuer ist wie Goldstaub 🙂 Und dann war unsere Zeit auch schon wieder rum und es ging zurück auf die Farm.

Man hat gegessen, man hat der Kauflust gefrönt – was bleibt dann noch? In meinem Fall Sport und Photographieren. Beides lässt sich gut verbinden, wenn man die Farm mit Wanderstock, Camelback und Kameratasche bewaffnet zu Fuß erkundet. Und ich muss zugeben, das die Ironbark (Anm. d. Red.: Name der Farm) schon ein herrliches Plätzchen ist. Rings um mein Haus erstrecken sich kleine, mit gelben Steppengras bewachsene Hügel, in denen sich Kängurus und Schnabeligel tummeln. Angeblich gibt es hier auch giftige Schlangen, die ich zum Glück nicht angetroffen habe. So verbrachte ich meine Wochenenden damit, die Gegend zu erkunden und Bilder zu machen.
Ansich hätte ich so noch gut und gerne einige Wochen und Monate durchgehalten, bis ich genug Geld zusammen hätte, um weiter zu reisen. Doch wie
ich lernen musste, ist es mit dem Pläne machen hier so eine Sache. Als ich eines Samstags abends nichts ahnend in meinem Haus saß, kam der Farmer vorbei. In zwei, drei Sätzen erklärte Adrian mir, dass er mich nun nicht mehr brauche und ich die Farm in den nächsten Tagen verlassen soll. Natürlich war ich erst mal baff. Man fragt sich, ob man was falsch gemacht hat oder ähnliches. Am Ende hilft aber alles nichts und so packte ich meine sieben Sachen und machte mich eine Woche später auf den Weg nach Sydney.
Wo es mich aber nicht lange hielt. Schon zwei Wochen später hatte ich, einen neuen Job. Doch davon beim nächsten mal. Hatte wenig Zeit die letzten Wochen, daher gibt es noch viel auf zu holen. Ihr dürft gespannt sein.

Grüße Felix