Bildqualität und Autofokus

Der Autofokus

Vorneweg zur Erinnerung: Ich komme von der D200 – 11 Messpunkte, davon ein Kreuzsensor. Mein Umgang mit dem Autofokus beschränkt sich auf die Verwendung von AF-S und dem mittleren Kreuzsensor. Nachführung oder Ähnliches war trotz mehrerer Versuche schlichtweg nicht zu gebrauchen. Da erschlägt einen die D750 geradezu mit ihrer Fülle an Möglichkeiten. AF-S/AF-C/AF-A, 3D-Messung, Gruppen-AF oder Dynamischer-AF und dann noch der Kontrast-AF im LifeView. Da brauchte ich auch erst mal eine Nachhilfestunde in moderner Scharfstellungshilfe.

Aber bringt es was? JA!
Der Autofokus bei dem Ding ist einfach unglaublich. Treffsicher, schnell und auch bei wenig Licht äußerst zuverlässig. Das Hinterherlaufen der Nachführung bei statischen Objekten ist passé. Auch schnelle Objekte hat die Kamera im Griff. Ich habe das gute Stück in zwei kritischen Situationen bereits testen können. Beim Skifahren und in einer dunklen Kirche bei einem Chorauftritt.
Für die Action beim Skifahren nutze ich entweder den 3D-AF oder den dynmaischen. Die Einstellung bleibt auf AF-C. Der 3D-AF ist sehr gut, wenn der Skifahrer durchs Bild fährt. Er wird am Anfang einmal anvisiert und dann macht die Kamera den Rest. Das funktioniert sehr gut, wenn auch nicht immer perfekt. Für Mitzieher verwende ich den dynmaischen AF.

Eine ganz andere Aufgabenstellung ist das Fotografieren in der Kirche. Hier benutzte ich den Gruppen-AF. Ich hatte das Gefühl, dass dieser hier am ehesten zum Ziel führt. Zudem verwendet der Autofokus hierbei den Belichtungssensor für die Gesichtserkennung, solange im AF-S-Modus gearbeitet wird. Gerne nehme ich hierbei aber auch AF-A. Sollte sich das Objekt oder ich mit meinem Monopod ein wenig vor- und zurückbewegen, greift mir die Kamera per Nachführung unter die Arme. Gut ist auch, dass man dann bei der Bildwiedergabe schnell von einem erkannten Gesicht zum nächsten springen kann, um die Schärfe zu testen.
Einen Wehrmutstropfen gibt es allerdings. Der Autofokus im LifeView erinnert mich doch sehr an meine D200 Tage und so nutze ich den LifeView hauptsächlich manuell. Hierbei freut mich aber das Feature, auf den angewählten Fokuspunkt mittels „Ok“-Taste auf 1:1 Ansicht zoomen zu können. So sitzt der Fokus dann definitiv.

Wir kommen in den Bereich, der mir Jauchzen und Freudentränen entlockt hat. Wenn man ein paar Kameragenerationen auslässt, so kann man kaum glauben, was die Sensoren mittlerweile leisten.
Der Dynmaikumfang ist einfach atemberaubend. Ich war es bei meiner D200 gewohnt, Klimmzüge machen zu müssen, um ordentliche Belichtungen hinzubekommen. Wo ich früher oft mehrere Aufnahmen machen musste, schaffe ich vieles jetzt aus einer Datei zu zaubern. Bei der D200 habe ich früher eher im Zweifelsfall überbelichtet, da das Aufhellen stets mit starkem Rauschen bzw. fahlen Farben verbunden war. Hier muss ich mich nun komplett umgewöhnen. Mittlerweile achte ich vor allem darauf, die Lichter nicht ausfressen zu lassen, da die Schatten so viel Reserven haben, dass ich es am Anfang nicht glauben wollte. Hilfreich ist hierbei der neue lichterbetonte Belichtungsmodus, den ich gerne und häufig nutze. Er funktioniert sehr gut, auch wenn er nicht immer alle Lichter zu retten vermag.
Was das Rauschen anbelangt, kann ich nun Bilder machen, die so früher nie möglich waren. In den hohen Isobereichen, war bei der D200 eigentlich schon bei 800 Schluss. Mit etwas Bauchweh konnte man auch auf 1600 gehen, aber da hatte die Dynamik und die Farbwiedergabe schon längst nichts mehr mit schön zu tun.
Bei der D750 arbeite ich ohne große Abstriche bis ISO 800. Gefühlt wird es ab 3200 schlechter. Aber selbst ISO 6400 ist für meine Begriffe noch durchaus zu gebrauchen. Im Grunde kümmere ich mich um die ISO kaum noch und wenn dann hilft ein gutes altes Einbein weiter. Was mir auch sehr gut gefällt, ist die ISO-Automatik. Diese arbeitet nicht nur abhängig von der Brennweite, sondern lässt sich auch noch Feinabstimmen zu längeren und kürzeren Belichtungszeiten. So habe ich nun einen Modi mit kürzeren Zeiten für Sport und einen mit längeren für Portraits.

Um euch einen Eindruck zur Dynamik und zum Rauschen zu geben, habe ich mal eine unbearbeitete und eine bearbeitete Variante des Skifahrers angefügt, sowie ein eine 100% Ansicht des Chorbildes.
Nun habe ich so viel geschrieben und darunter fast nur Positives. Gibt es denn nichts zu meckern an der Kamera? Die Kamera an sich, mal abgesehen von dem vielleicht noch verbesserungswürdigen Pufferspeicher ist absolut top. Leider hat Sie ein Problem, das Nikon bereits bekannt ist. Die Rede ist vom Flare Banding. Darunter ist eine Abschattung von Gegenlichtreflexen zu verstehen. Das äußert sich in einem dunklen Streifen am oberen Bildrand quer durch den Gegenlichtreflex. Zwar tritt der Fehler nur in besonderen Situationen auf, wenn punktuelle Lichtquellen wie die Sonne kurz außerhalb des oberen Bildrandes stehen, ärgerlich ist es trotzdem. Leider ist auch meine Kamera betroffen. Ausgelöst wird dies wohl durch die Position des AF-Moduls und lässt sich nicht zu 100% vermeiden. Super finde ich allerdings, das Nikon eine kostenlose Reparatur anbietet. Diese werde ich nun in Anspruch nehmen und berichten, wie es gelaufen ist. Trotzdem ist es ärgerlich eine 2000 Euro Kamera einschicken zu müssen und ist ein Wermutstropfen.

Davon sollte man sich aber nicht abhalten lassen. Ich fotografiere sehr viele Sujets und brauche daher eine Kamera, die den Spagat von Portrait, über Landschaft, bis hin zur Reisefotografie schafft. Und ich glaube genau hierin liegt die Stärke der Kamera. Ist die Nikon D810 der Auflösungprofi, so ist für mich die D750 aufgrund von Gewicht, Klappmonitor und anderer vielfältiger Funktionen der perfekte Allrounder. Die Kamera ist einfach sehr sehr gut und jeden Cent wert. Von mir gibt es daher eine klare Kaufempfehlung!

Grüße,

Felix

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