Es gibt so manche Dinge im Leben, die sind kleine Meilensteine. Das erste eigene Auto gehört wohl definitiv dazu. Nun hab auch ich alter Fahrradfahrer mir endlich eins zugelegt. Geworden ist es ein nigelnagelneuer  Seat Leon ST – mit allen möglichen  Spielereien, unter anderem Allradantrieb. Tja und der kam passend zu meinem Sommerurlaub. Was also tun? Nun für mich war ganz klar: Es wird ein Roadtrip. Und wenn schon, dann richtig einmal quer über die Alpen. Also habe ich im August meine sieben Sachen gepackt, das Fahrrad aufs Dach geschmissen und bin aufgebrochen gen Süden. Was mir auf meiner Tour so alles passiert ist, erfahrt ihr in den folgenden zwei Beiträgen.

Tag  1

Ihr kennt das oder? Eigentlich will man nur noch schnell packen und plötzlich sind doch noch tausend und eins Dinge zu erledigen. So war es relativ spät, als ich in Richtung Süden aufbrach und meine erste Station keine 200km entfernt von zu Haus. Das Ziel hieß Schloss Lichtenstein – ein malerisches Jagdschloss an der Kante der schwäbischen Alb. Hier fand ich ein gemütliches Plätzchen für die Nacht. Am Lagerfeuer lies ich mir meine Bohnen aus der Dose schmecken und freute mich schon auf den nächsten Tag, der sehr erlebnisreich werden sollte.

Tag 2

Früh war ich aus den Federn. Ich  wollte der erste am Schloss sein, um in Ruhe ein paar Bilder machen zu können.  Die Ursprünge der Burg gehen auf das Jahr 1390 zurück. Im Laufe der Geschichte wechselte Sie ihre Besitzer und Funktionen und verfiel in den Jahren zusehends. 1802 wurde die Ruine abgetragen und durch ein Forsthaus ersetzt. Erst um 1840 erwarb Wilhelm Graf von Würtemberg das Gebäude und lies das aktuelle Schloss als Jagd- und Landsitz errichten. Es ist also ein Paradebeispiel für die neogotischen Bauten der romantischen Epoche. Von hier aus hat man einen wunderbaren Blick über die Schwäbischen Alp und ich ließ es mir nicht nehmen, eine Runde mit dem Mountainbike zu drehen.  Auf einem herrlichen Singletrail ging es immer entlang der Albkante. Am Nachmittag schließlich sprang ich dann ins Auto und fuhr weiter Richtung Salzburg, das ich am Abend  erreichte. Unterwegs hatte ich mir noch schnell ein Bett in einem Hostel organisiert und so konnte ich meine Sachen abladen, unter die Dusche springen und abends noch die Stadt erkunden. Auf Empfehlung besuchte ich das Augustiner Braustübl, ein altes Kloster der Augustiner. Hier gibt es hervorragendes selbstgebrautes Bier, herzhafte Österreichische Küche und einen einladenden Biergarten im Innenhof. So konnte ich den Tag ausklingen lassen.

Tag 3

Der dritte Tag meiner Reise begann gemütlich. In einem der vielen Kaffeehäuser gönnte ich mir einen Verlängerten mit Schlagoberst und ein Croissant. Danach ging auf Erkundungstour durch die Stadt. Natürlich begegnet einem an jeder Ecke der Name Mozart. Vorbei an dessen Geburtshaus schlenderte ich die Getreidegasse hinunter, besichtigte die Altstadt, den Dom und stieg schließlich zur Festung hinauf. Alles in allem eine wunderschöne Stadt und von der Festungsmauer hat man einen grandiosen Ausblick auf die Alpen. Und genau dahin würde es noch an diesem Nachmittag gehen. Also radelte ich zurück durch die Stadt, die immer mehr mit Touristen geflutet wurde, packte die Sachen, sprang ins Auto und machte mich auf den Weg.

Das Ziel hieß Nationalpark Hohen Tauern, bzw. die Großglockner Hochalpenstraße, welche ich am Abend erreichte. An der Mautstation angekommen traf mich erst mal der Schlag. Stolze 35 Euro für eine Fahrt von 48km. Aber die Berge waren zu verlockend und so ging es um ein paar Taler ärmer die Täler hinauf. Was soll ich sagen? Diese Straße ist jeden Cent wert. Im Licht der Abendsonne schlängelt sie sich Kurve für Kurve den Hang hinauf. Am höchsten Punkt, der Edelweißspitze, sind es 2571m. Von hier aus hat man ein beeindruckendes Gletscherpanorama und einen Blick über die Dreitausender rund um den Großglockner. Obwohl ich mir unschlüssig war, ob man hier oben übernachten durfte, blieb ich trotz des nahenden Gewitters. Nur ganz oben auf dem Berggipfel wollte ich dann doch nicht stehen bleiben. Zu sehr gab das Fahrrad auf dem Dach einen hervorragenden Blitzleiter ab. Auf einem Parkplatz ein paar Meter tiefer fand ich ein Plätzchen neben ein paar anderen unerschrockenen Campern. Ich hatte mir gerade meine Suppe gekocht, da brach es über mich herein. Schnell verkroch ich mich auf den Fahrersitz und genoss das Schauspiel aus der ersten Reihe. Noch eine Weile zuckten Blitze und grollte Donner. Und als es schließlich wieder ruhiger wurde, schlief ich erschöpft ein.

Tag 4

 Die Nacht endete bereits um fünf. Ich wollte es mir nicht nehmen lassen, hier oben den Sonnenaufgang zu genießen. Also schnappte ich meine sieben Sachen und machte mich erneut auf zur Edelweißspitze. Hier angekommen musste ich feststellen, dass ich nicht der einzige Verrückte war. Gemeinsam mit einer kleinen Gruppe Schaulustiger, die in der nahegelegenen Hütte genächtigt hatten, genoss ich das Schauspiel. Anschließend machte ich mir auf meinem Campingkocher einen Kaffee, frühstückte und begab mich auf eine kleine aber atemberaubende Wanderung. Entlang des Kammweges ging es über Geröllfelder und vorbei an auf Almen grasenden Kühen zum Baumgartlkopf (2.623 m). Ich genoss die Ruhe und die Landschaft und begab mich nach einer kleinen Rast auf den Rückweg. Als ich mittags wieder am Auto ankam, war alles überfüllt mit Menschen und ich beschloss weiter zu reisen. Bevor ich jedoch die Hohen Tauern verlies, machte ich noch einen Abstecher zum Pasterzengletscher. Zu meinem erschrecken musste ich feststellen, dass man mit dem Auto fast bis direkt an den Gletscher kommt und nicht nur das. Zu allem Überfluss gibt es hier eine Automobilaustellung und ein Parkhaus – Gletscherschmelze live sozusagen… Gut, ich war selbst mit dem PKW hier, aber ich hätte gern eine Wanderung in Kauf genommen, wenn es hieße, die Natur hier oben schonen zu können.

So hielt mich nicht mehr viel hier oben und ich machte mich auf den Weg gen Süden in Richtung Dolomiten. Wie es mir dort gefiel, erfahrt ihr dann im nächsten Post.

 

Grüße,

Euer Felix