Bevor die Reise los ging hatte ich mir einige Ziele gesetzt und bisher hatte das auch immer ganz gut geklappt. Allerdings hatte ich mir auch vor genommen, diesen Plan nur als Richtlinie zu sehen und spontan zu entscheiden, wohin es geht.  Das nächste Ziel war ursprünglich Pisa. Aber irgendwie war mir nicht danach.  So suchte ich die kürzeste Verbindung zum Mittelmehr. Tippte La Spezia ins Navi und los ging‘s.

Tag 9

Ich hatte nicht wirklich eine Idee, was mich dort erwartete, aber ich hatte Lust auf Meer und Grillen. Zunächst sollte ich aber die negativen Seiten eines Roadtrips kennenlernen: Stau, Dauerregen und Mautgebühren. Ich wusste bereits, dass man in Italien auf den Autobahnen pro Streckenkilometer eine  Gebühr bezahlen muss. Ic h hatte aber nicht damit gerechnet, dass es fast ein Euro pro 10km sein würde. Doch es nutzte nichts, wenn ich nicht den ganzen Tag unterwegs sein wollte, musste ich wohl oder übel in den sauren Apfel beißen. Und so erreichte ich nach einer ereignislosen Fahrt am späten Nachmittag die Hafenstadt La Spiaza. Leider entpuppte diese sich als rechte Industriestadt, bis ich auf einen Wegweiser aufmerksam wurde. Darauf stand ein Name, den ich schon mal gehört hatte. Meine Nachbarin hatte mir ganz begeistert von diesem Küstenabschnitt Liguriens erzählt. Dort liegen fünf pittoreske Dörfer, die sich an die Hänge der ins Meer abfallenden Apenninenausläufer schmiegen. Sie waren lange Zeit so isoliert, dass man ihnen den Namen Fünf Erden – Cinque Terra, gab.

Frohen Mutes machte ich mich auf den Weg. Und dieser hatte es in sich. Selbst die Alpenstraßen hatten mich fahrerisch kaum so gefordert. Teilweise waren die Straßen so eng, dass man vor jeder Haarnadelkurve hupen musste, um den entgegenkommenden Verkehr zu warnen. Aber die abenteuerliche Anfahrt wurde durch einen wunderbaren Ausblick belohnt. Durch terrassenförmige Weinberge ging es entlang der Küste bis kurz vor meinem Zielort Corniglia. Ein paar hundert Meter vor dem Ortskern war Schluss für PKWs. So ließ ich meinen Leon zurück  und erkundete das Dörfchen zu Fuß. Und ich wurde nicht enttäuscht. Bunte Häuser schmiegten sich dicht an dicht. In den Gassen gab es unzählige kleine Cafés, Läden mit allerlei Klimbim und fast jeder Weg mündete an einer Terasse, die einen atemberaubenden Blick übers Meer bot.

Zurück am Parkplatz packte ich den Grill aus. Zwar hatte ich von hieraus keinen Blick aufs Meer, aber man will ja nicht kleinlich sein. Und so verbrachte ich auch die Nacht hier.

Tag 10

Für diesen Tag hatte ich mir eine kleine Fahrradtour herausgesucht. Der Tourenführer versprach eine Mountainbike Tour von Dorf zu Dorf. Tatsächlich begann diese gleich neben dem Parkplatz und der Weg sah vielversprechend aus. Durch die Weinberge ging es ganze 500m auf einem gepflasterten Pfad, bis mir die erste Treppe den Weg versperrte und es sollte nicht die Letze gewesen sein. Tatsächlich hatte ich mir einen Wanderweg rausgesucht, der so verblockt war, dass ich das Fahrrad mehr tragen musste als es mich. Nichts desto trotz war die Tour jeden schweißtreibenden Meter wert. Am Ende erreichte ich nach 2 Stunden den Nachbarort Vernazza. Auch hier reihten sich kleine Häuser dicht an dicht. Außerdem gab es einen kleinen Hafen und eine Burg. Alles wirkte wie gemalt und man konnte erahnen, wieviel Arbeit es gekostet haben musste, jeden Quadratzentimeter nutzbare Fläche in Handarbeit zu  bebauen. Bis vor wenigen Jahrzenten waren die Dörfer nur zu Fuß zu erreichen. Später kam eine Bahnlinie, die praktisch die komplette Küste untertunnelt und nur an den Bahnhöfe zutage tritt.

Am Hafen gönnte ich mir eine Pause und sprang ins kühlende Mittelmeer. Während der anschließenden Brotzeit beobachtete ich das Treiben, die Einheimischen die ihre Angeln auswarfen, Touristen die die schwankende Gangway der Ausflugsdampfer herunterstolperten und all die geschäftigen Ladenbesitzer die ihre Waren versuchten an den Mann zu bringen. Ausgeruht und satt schwang ich mich kurze Zeit später wieder auf mein Rad und strampelte die Bergstraße zurück zum Auto. Nachdem das Rad wieder versstaut war, drehte ich eine letzte Runde durch den Ort, lies mich noch für eine Weile in einem lauschigen Café nieder, um mich anschließend auf den Weg Richtung Frankreich zu machen.

Dank einer gesperrten Bergstraße und viel Verkehr, zog sich die Fahrt. Vorbei an Genua und Nizza ging es zurück hinauf in den südlichen Teil der Alpen. Nicht jedoch ohne einen kleinen Zwischenfall. Kurz nachdem ich Nizza verlassen hatte, bog ich falsch ab. In der engen Bergstraße kam es zum Stau und ich musste am Berg halten. Beim Anfahren setzte ich versehentlich kurz zurück. Sehr zum Leidwesen meines Hintermanns. Vor der vielen Fahrerei schon etwas mitgenommen, hatte mir das gerade noch gefehlt. Zum Glück war nicht viel passiert. Mein Nummernschild hatte etwas abbekommen und die Stoßstange des anderen Autos hatte ein paar Minikratzer. Zum Glück war es nur ein Mietwagen und so konnten wir uns nach einigem Hin und Her einigen, es auf sich beruhen zu lassen.

Sichtlich fertig mit den Nerven, fuhr ich noch ein Stündchen und als es dunkel wurde hielt ich einfach auf dem nächstbesten Parkplatz, öffnete ein Bier und merkte wie beim Anblick des Sonnenuntergangs meine Anspannung allmählich nachließ.

Tag 11

Am nächsten Morgen waren die Sorgen verflogen und erst jetzt bemerkte ich, wie schön das Tal war, dass sich zu meinen Füßen erstreckte. Nach meinem morgendlichen Kaffee ging es sogleich weiter. Das Ziel war der Canyon von Verdon. Die Straße schlängelte sich durch eine wunderschöne mediterrane  Berglandschaft  immer weiter Richtung Provence. Ich erreichte Castellane kurz nach Mittag. Und wieder war ich ein wenig neidisch, wie sehr es Italiener und Franzosen es verstehen, ihren Städten ein gemütliches Flair zu verleihen. Auf dem Marktplatz herrschte geschäftiges Treiben und die Gassen waren gesäumt von kleinen Cafès. Nachdem ich in der Touristeninfo alles Wissenswerte zum Gebiet in Erfahrung gebracht hatte, machte ich mich auf dem Weg. Dem Flusslauf des Verdon folgend, ging es nun immer tiefer in den Canyon und  schließlich erreichte ich mein heutiges Ziel – einen Campingplatz direkt am Wasser. Ich stellte das Auto unter einen der schattigen Nadelbäume und gönnte mir erst mal ein kleines  Bad im kühlen Nass, ein paar Brote, ein Bier und ein Nickerchen.

Als die  Sonne am Nachmittag nicht mehr ganz so heiß brannte, machte ich mich auf den Weg und erkundete die Gegend. Dabei entdeckte ich einen herrlichen Wanderpfad und aus dem kleinen Spaziergang wurde eine ausgewachsene Wanderung. Durch ein Pinienwäldchen ging es stetig bergauf, bis ich nach einer Stunde den Rand des Canyons erreichte. Von hier aus konnte man zum ersten Mal die beeindruckenden Ausmaße der Schlucht erahnen. Entlang der Felskante ging es in Richtung eines kleinen Bergdorfs.  Wobei ich doch ein wenig Unbehagen verspürte. Nicht nur, weil es linkerhand mehrere hundert Meter bergab ging. Sondern auch weil über mir ca. ein Dutzend Geier kreisten. Nichts desto trotz genoss ich jeden Schritt und erreichte nach gut 2 Stunden Rougon. Das kleine Örtchen bestand aus ein paar Häusern, einem Kiosk, einer Post und einer Créperie. In letzterer ließ ich mich nieder. Während ich auf meine französische Köstlichkeit wartete, ließ ich den Blick schweifen und musste feststellen, dass ich verstand warum die Einheimischen für den Urlaub selten das Land verließen.

Den Rückweg nahm ich, wie ich gekommen war und endete der Tag schließlich mit einem kühlen Bad im Verdon. Wie  es weiter ging, erfahrt ihr dann im nächsten Post

Grüße,

Euer Felix