Die letzte Etappe meiner Reise führte mich durch den Süden Frankreichs und zurück ins Herz der Alpen. Allerdings sollte mir das Wetter nun nicht mehr so wohl gesonnen sein. Doch alles der Reihe nach.

Tag 12

Dank der herrlich milden Temperaturen hatte ich die Nacht im Freien verbracht und wurde von den ersten Sonnenstrahlen geweckt. So begann der zwölfte Tag recht früh. Rings um mich schliefen die meisten noch. Ich mag diese Atmosphäre auf Campingplätzen, wenn alles noch still ist und man sich in Ruhe seinen morgendlichen Kaffee auf dem Gaskocher brühen kann.

Wie so oft in diesem Urlaub, hätte ich auch hier noch einige Tage verbringen können. Doch auch jetzt zog es mich weiter. Also fuhr ich entlang des Verdon zum Ausgang des Canyons. Von hier aus hat man einen beeindruckenden Blick über den türkis-blauen Lac de Sainte-Croix, Frankreichs zweitgrößten Stausee. In den 70er Jahren errichtet, bedeckt er eine Fläche von mehr als 21,8 km² und dient den Touristen als Badeparadies. Mit dutzenden Tretbooten fahren Sie kreuz und quer übers Wasser und erkunden den Canyon. Unter einem schattigen Baum gönnte ich mir hier eine kleine Pause, bevor es weiter ging.

Durch die Provence  fuhr ich Richtung Norden. Leider war die Blütezeit des Lavendels schon vorüber, sodass die erhoffte violette Pracht ausblieb. Auch das sonnige Wetter wich mehr und mehr einem grau in grau, welches schließlich in Dauerregen überging. Stunde um Stunde verstrich und so erreichte ich, nach einer nicht enden wollenden Fahrt, am Abend Chamonix. Wenigstens hatte ich keine Probleme hier einen Schlafplatz zu finden. Wie sich herausstellte, konnte man sich am Ortsausgang einfach an den Straßenrand stellen. Beeindruckend war der Ausblick selbst von hier aus schon, reichten doch die Gletscher bis fast zur Ortsgrenze. Leider versperrte jedoch eine dicke Wolkendecke den Blick auf die Gipfel.

Tag 13

Als ich an diesem Morgen einen Blick aus dem Fenster warf, sah es draußen überhaupt nicht einladend aus. So schlief ich lang und machte mich anschließend im Nieselregen daran wenigstens die Stadt ein wenig  zu erkunden. Chamonix ist ein wahres Tourismuszentrum. An jeder Ecke finden sich Sport- und Vermietgeschäfte, reihen sich Souvenirläden an Cafés und Restaurants. Aber mir war das ganz recht, denn das passte für diesen Tag ganz gut. Schließlich hatte ich es nicht über mich gebracht, 60 Euro auszugeben, nur um mit der Gondel auf den Wolkenverhangenen Gipfel des Mont Blanc zu fahren. Nach einem kleinen Bummel und einem Spaziergang am L’Arve entlang, saß ich nach einigen Stunden wieder im Wagen und war auf dem Weg zu meinem nächsten Ziel – Zermatt, das ich am Abend erreichte. Nun nicht ganz, denn Zermatt selbst ist für Touristenfahrzeuge gesperrt. Darum nahm ich vorlieb mit einem Campingplatz im Vorort Täsch. So endete dieser Tag ganz unspektakulär, wie er begonnen hatte – in meinem Auto, dem Dauerregen lauschend.

Tag 14

Nach zwei Wochen auf Tour, merkt man so langsam, dass ein Roadtrip nicht immer ein Spaziergang ist. Abgesehen von den zurückgelegten Kilometern, ist man die Enge des Autos, das ständige Umräumen und vor allem nasse Klamotten irgendwann Leid. So kroch die Feuchtigkeit meiner Regenkleidung an diesem Morgen in alle Winkel des Wagens und perlte in großen Tropfen an den Innenseiten der Fenster hinunter. Trotzdem gab es noch eine Sache, die es zu erledigen galt. Mein heutiges Ziel war die Schwarzseehütte und hoffentlich ein Blick aufs Matterhorn, dass man durch die dicke Wolkendecke bisher nur erahnen konnte. Wenn auch nicht die längste, sollte diese Tour eine der härtesten werden, galt es doch fast 1200hm ununterbrochenen Aufstieg zu bezwingen. Also schlüpfte ich in mehrere Lagen wärmender Funktionswäsche, packte die Verpflegung in den Rucksack und radelte los.

Die ersten Kilometer ging es einen steinigen Wanderweg bis ins Zentrum von Zermatt. Trotz der bescheidenen Witterung,  war das Alpenpanorama ein Genuss und zumindest der Regen blieb bislang aus. So ging es weiter hinauf bis in das beschauliche Bergdörfchen Zmutt. Dunkle Blockhütten reihen sich hier dicht an dicht und die Vorgärten zieren Blumen in allen Farben. Nach einer kurzen Rast ging es weiter den Berg hinauf. Allmählich kam ich an die Vegetationsgrenze und die grünen Almen wichen grauen Geröllfeldern. Nur die Wolken blieben beharrlich an ihrem Platz und schienen immer dichter zu werden. Kurz nachdem ich die 2000m Grenze überschritten hatte, fing es an zu Nieseln. Nach einer Weile nützen auch die Regenklamotten nichts mehr und ich war bald bis auf die Knochen durchnässt. Zu allem Überfluss fielen die Temperaturen bis auf 7°C. Jeder Höhenmeter kostete nun einiges an Kraft. Trotzdem biss ich die Zähne zusammen und erreichte gegen Mittag schließlich die Hütte. Nass und durchgefroren gönnte ich mir eine heiße Schokolade. Leider war nirgendwo eine Heizung oder ein Kamin, um sich aufzuwärmen. So versuchte ich vergeblich wenigstens am Handgebläse im Bad meine Klamotten zu trocknen. Letztendlich blieb mir aber nichts anderes übrig, als wieder in die triefenden Sachen zu schlüpfen und mich an die Abfahrt zu machen. So gesehen war es dann auch nicht so dramatisch, regnete es doch weiterhin ununterbrochen und ich wäre eh bald wieder durchnässt gewesen. Und das war mein geringstes Problem. Viel mehr zu schaffen machte mir die technische Seite der Abfahrt und vor allem die Sicht. Durch dicke, tiefhängende Wolken ging es praktisch im Blindflug über rutschige Steine und losen Sand. Die Hände froren und mein Handgelenk zwickte. Nennt mich verrückt, aber es war trotzdem irgendwie genial. An manchen Stellen musste ich kurz Inne halten, all meinen Mut zusammen nehmen und das Rad einfach laufen lassen. Nicht ohne Stolz kann ich sagen, dass ich mit ein zwei kleinen Ausnahmen den kompletten Trail gemeistert habe. Sogar der Wanderpfad zwischen Zermatt und Täsch, der mir am Morgen noch einige Sorgen bereitet hatte, lies sich bergab ziemlich gut fahren. Und so rollte ich am Abend erschöpft, aber zufrieden zurück ins Dorf. Im Supermarkt schnappte ich mir noch eine Dose Bier und sprang damit für eine gefühlte Ewigkeit unter die heiße Dusche. Und das war bitter nötig, denn irgendwie hatte es der Schlamm trotz mehrerer Lagen Funktionskleidung bis in die letzten Winkel geschafft.

Nachdem ich meine Fingerspitzen und Zehen wieder spürte und mir was trockenes übergeworfen hatte, kochte ich mir eine ordentliche Portion Nudeln, vernichtete eine Tafel Schokolade und schlief schließlich selig ein.

 

Tag 15

 

Der Vorrat an sauberen, trockenen Klamotten war praktisch aufgebraucht und weiterhin hingen die Wolken tief im Tal an diesm Morgen. Auch für die nächsten Tage sah der Wetterbericht nicht gut aus. Die Tankanzeige sagte mir, dass der Sprit noch gerade bis nach Hause reichen würde. Also war die Sache klar: Es ging heimwärts, auch ohne das Matterhorn ein einziges Mal erblickt zu haben. Von Zermatt fuhr ich über den Grimselpass Richtung Deutsche Grenze. Noch einmal zeigten sich die Alpen von ihrer imposanten Seite und verabschiedeten mich mit einer serpentinenreichen Talfahrt. Von hier aus ging es nur noch bergab, vorbei an Basel Richtung Karlsruhe. Nach 6 Stunden und mit dem letzten Tropfen Sprit im Tank rollte ich schließlich am Nachmittag in Untergrombach ein.

So schön solch eine Reise isst. Nach fast 3000km und 5 Ländern in 14 Tagen, freut man sich auf daheim und auf ein paar ruhige Tage, bevor die Arbeit wieder los geht. Und auch wenn ich all die Eindrücke erst einmal sacken lassen musste, war mein Fazit jetzt schon klar: Diesen Roadtrip durch „Good old Europe“ würde ich so schnell nicht vergessen.

Grüße,

Euer Felix