Die erste Woche unserer Reise lag hinter uns. Über 500 Kilometer waren bereits geschafft. Mit der Grenze zwischen Bayern und Thüringenüberquerten wir zudem auch die ehemalige Grenze zwischen Ost und West. Am Ende spielte das aber eigentlich keine Rolle. Wie wir lernten, war das nämlich eh alles Frankenland.
Am Fuße des Thüringer Waldes legten wir einen Pausentag ein. Den Vormittag verbrachten wir damit, unsere Räder gründlich zu reinigen und eine Bestandsaufnahme zu machen.
Bei mir mussten lediglich die vorderen Bremsbeläge gewechselt werden. Das hatte sich allerdings schon vor unserer Reise angekündigt. Die Bergabpassagen mit dem erhöhten Gewicht des Anhängers hatten ihnen dann den Rest gegeben. Außerdem hatte sich scheinbar beim An- und Absetzen des Anhängers eine der Aufnahmen etwas verzogen. Alles in allem aber lösbare Probleme. Was uns etwas mehr Sorgen bereitete, war Roberts Gepäckträger. Der zeigte durch die Reibung der Radtaschen an den Berührungspunkten schon ordentlich Verschleiß. Man mag nicht glauben, was Zeit, Schmutz und Bewegung so alles anstellen können. Aber tatsächlich war gefühlt ein knapper Millimeter Alu heruntergeschliffen worden. Doch wie so oft, lösten wir auch dieses Problem provisorisch mit einer guten alten Rolle Panzertape. Mal sehen, wie lange das gut gehen würde.

Ansonsten verstrich der Tag recht unspektakulär. Bei einem oder auch zwei gemütlichen Bieren ließen wir uns im Garten unserer Gastgeber die Sonne auf den Bauch scheinen. Bernd drehte mit uns dann noch eine Runde durch Sonneberg. Die Spielzeugstadt mit ihren schiefergedeckten Backsteinhäusern hat schon ihren ganz eigenen Reiz. Außerdem hatte man von den nahegelegenen Bergen einen wunderbaren Blick über das Frankenland. So konnten wir ein wenig Revue passieren lassen, wie weit wir eigentlich schon gekommen waren.
Am nächsten Morgen stiegen wir erholt, mit frisch gewaschenen Sachen und aufgefüllten Vorräten auf unsere sauberen Räder. Manchmal sind es eben die kleinen Dinge, die einen Reiseradler glücklich machen.
Vor uns lagen läppische 55 Kilometer allerdings auch der Rennsteig. Knappe 700 Höhenmeter würden wir auf dieser eher kurzen Etappe klettern. Wir waren hochmotiviert und so strampelten wir los.
Nach nur wenigen Minuten hielten wir aber schon wieder an. Der Regen hatte erneut eingesetzt und so wurden erst einmal die Regenklamotten angezogen. Danach ging es im Schneckentempo immer bergauf. Trotz der Hürden, die sich uns in den Weg stellten, waren wir gut gelaunt. Dank der Anstiege war uns warm. Zudem hatten die nebelverhangenen Dörfer und tiefgrünen Tannenwälder einen ganz eigenen Reiz. Robert konnte kaum aufhören Bilder zu schießen.

Auf der Hälfte des Anstiegs mussten wir dann aber erstmal eine Zwangspause einlegen. Robert hatte einen Platten. Während er den Reifen flickte, merkte ich, wie kalt es eigentlich war, sobald man nicht mehr radelte. Das Thermometer zeigte keine 15 Grad.
Als wir weiterfuhren, war ich froh, dass es wieder bergauf ging – und zwar richtig. Es kamen Anstiege von bis zu 16 % und schon ab 10% Steigung konnte ich nur noch im kleinsten Gang fahren. Meine Oberschenkel brannten und meine Trittfrequenz kam gefühlt fast zum Erliegen. Aber der Ehrgeiz war größer als der Schmerz. So schafften wir es ohne einmal zu schieben bis zum Mittag hinauf zum Rennsteig.
Hier gönnten wir uns erst mal ein deftiges Mittagessen und trockneten so gut es ging unsere klammen Klamotten. Als wir uns anschließend auf die Räder schwangen, ging es zur Belohnung erstmal ein ganzes Stück bergab. Der Regen peitschte uns dabei zwar immer noch ins Gesicht, konnte uns das Grinsen aber nicht nehmen. Kurzzeitig kam ich selbst mit Anhänger über 40 km/h. Ein Glück hatte ich die Bremsen noch erneuert, dachte ich bei mir.

Der Rest der Tour war dann eher entspannt. Entlang der Loquitz rollten wir Richtung Saalfeld. Auch der Regen hatte nachgelassen.Zum Ende hin ging es noch einmal ein wenig bergauf und es eröffnete sich uns ein vertrauter Anblick – der Hohenwartestausee. Tatsächlich hatten wir hier vor einigen Jahren Roberts Jungesellenabschied gefeiert und verbanden somit ein paar amüsante Erinnerungen mit diesem Ort.
Bei Kaffee und Kuchen ließen wir unseren Blick über die Staumauer schweifen und überlegten, wo wir heute Abend die Schlafsäcke ausrollen sollten. Da setzte, dankenswerter Weise, der Regen wieder ein und zwar nicht zu knapp. Der Wirt wollte gerade schließen und wir fragten, ob wir noch bleiben durften, bis der Regen weniger würde. Daraufhin meinte er, wir könnten seinetwegen am überdachten Rastplatz hinter der Kneipe die ganze Nacht verbringen. Das ließen wir uns nicht zweimal sagen.
Kurze Zeit später köchelten im Topf die Nudeln. Nach einer großen Portion Pasta mit Pesto rollten wir unter der Bank unserer Schlafsäcke aus und machten es uns gemütlich. Eine Zeitlang hielt uns noch das Scheinwerferlicht vorbeifahrender Autos wach. Doch irgendwann siegte die Müdigkeit und wir schliefen selig ein.
Was der nächste Tag bringen würde? Das erfahrt Ihr im nächsten Beitrag.

Euer,

Felix