Am Morgen des dritten Tages steckten uns 150 Kilometer in den Beinen. Und das merkten wir auch. Trotz guter Vorbereitung muss sich der Körper doch erst einmal daran gewöhnen, Tag für Tag im Sattel zu sitzen. Und wie ich es bereits aus vergangenen Radreisen kannte, war der dritte Tag oft der schlimmste.
Bei mir war es vor allem der Hintern, der auf den ersten Kilometern wieder eingesessen werden wollte. Zwar hatten wir unsere Hausmittelchen, um Scheuerstellen zu vermeiden. Gegen Druckstellen hilft jedoch selbst der beste Sattel und die bequemste Bikeshorts nichts.  Auch Robert war sichtlich erschöpft. Was allerdings auch daran liegen konnte, dass ich zu schnarchen beginne, sobald ich einnicke.
So hatte also jeder sein Päckchen zu tragen an diesem Morgen. Was uns, aber vor allem Robert motivierte, war jedoch unser Ziel. Wie bereits im ersten Beitrag erwähnt, hatten wir unsere Route so geplant, dass wir unterwegs teilweise bei Freunden und Verwandten unterkommen würden.
Heute ging es Richtung Aalen, wo Robert einige Zeit gelebt hatte. Hier würden wir bei Freunden von Ihm übernachten und könnten die Klamotten waschen.

Mit 80 Kilometern und 370 Höhenmetern klang die Tour tatsächlich auch recht gut machbar. Da wir diesmal zum Glück nicht so viel zu packen hatten, kamen wir schon kurz nach 8 Uhr los. Das ist tatsächlich für Radreisende gar nicht so übel. Selbst wenn man um 6 Uhr aufsteht, braucht es seine Zeit, bis man Frühstück gegessen, sich fertig gemacht und das ganze Equipment an Ort und Stelle verstaut hat. Besonders in Anbetracht dessen, wie lang ich fürs Packen brauche. Respekt an Robert, der hier meistens geduldig gewartet hat.
Wie angenommen, gestaltete sich die Tour sehr entspannt. Zunächst ging es durch das beschauliche Lonetal. Entlang von Schotterwegen fuhren wir abseits jeder Straße durch die Wiesen. Mittags gönnten wir uns eine herzhafte Brotzeit am Ufer des kleinen Flusses und schauten den Touristen zu, die in Paddelbooten jeder Form und Größe an uns vorbei trieben.
Der zweite Teil der Tour führte uns durchs Kochertal. Das an sich bestimmt auch sehr schön sein könnte. Allerdings ist es gerade rund um Oberkochen, dem Hauptstandort von Carl Zeiss, sehr dicht besiedelt. So schließt sich fast ein Ort nahtlos an den nächsten an und man fährt gefühlt von Industriegebiet zu Industriegebiet. Nach einem Abstecher an den Ursprung der Kocher, erreichten wir Aalen schließlich am frühen Nachmittag.

Unsere Gastgeber Paul und Tini bereiteten uns einen herzlichen Empfang. Nachdem wir uns die Bäuche mit Spagetti Bolognese vollgeschlagen hatten, erkundeten wir gemeinsam noch ein wenig die Stadt. Anschließend plauderten wir bis in die späten Abendstunden.
Seit Tagen hatte der Wetterbericht bereits Regen angesagt. Bislang hatten wir aber irgendwie immer Glück gehabt. Am Morgen des vierten Tages jedoch, hatte uns das kalte Nass eingeholt. Das gröbste Unwetter war über Nacht weitergezogen. Zurück blieben allerdings ein gleichmäßig grauer Himmel und wunderbar konstanter Nieselregen.
Weil es nun aber mal zu einer Radreise dazu gehört, zogen wir uns die Regenjacken über, verabschiedeten uns von Paul und Tini und strampelten los. Zwar waren unsere Sachen Wasserdicht verpackt und unsere Regenjacken hielten stand, unsere Schuhe waren aber schon nach kurzer Zeit komplett durch. Hinzu kamen auf den schmalen Landstraßen Autos, die uns teilweise gefährlich dicht passierten. So kam das Wasser nicht nur von oben, sondern auch von der Seite und, dank fehlender Schutzbleche, auch von unten.

Trotzdem ließen wir uns die gute Laune nicht verderben. Vielleicht auch, weil nur etwas mehr als 50 Kilometer bis Feuchtwangen vor uns lagen. Und wie wir witzelten, war der Name eben heute Programm.
Auf unserem Weg passierten wir die Grenze zu Bayern und kamen durch das beschauliche Städtchen Dinkelsbühl. Dessen Altstadt zählt zu einer der besterhaltenen und schönsten Deutschlands. Was ich durchaus bestätigen kann. Allerdings haben solche Altstädte oft eins gemeinsam – Kopfsteinpflaster. Das mag im Gesamtbild toll aussehen. Versucht man aber mit schmalen Reifen und schwerem Anhänger voran zu kommen, ist es eher eine Qual.
So waren wir am Ende froh schon gegen Mittag unser Ziel zu erreichen. Kühnhardt in der Nähe von Feuchtwangen mag jetzt nicht jedem ein Begriff sein. Jedoch stammt meine Freundin von hier. Sie nahm uns auch sogleich am Haus ihrer Eltern in Empfang.
Während wir uns stärkten, hörte der Regen langsam auf. So bot sich die Möglichkeit die Klamotten zu trocknen und die Räder zu reinigen. Das war nach vier Tagen on Tour auch bitter nötig. Zumal uns der Regen noch eine Weile begleiten würde.
Doch davon beim nächsten Mal mehr.

Euer,

Felix